EM-Gold über die Hürden

4.8.2017:

Der Sommer in Aarhus (DEN) war verregnet und kühl wie seit Jahrzenten nicht mehr. Doch genau das sollte mir am Ende zum Sieg bei den Europameisterschaften verhelfen. Schon in den Wochen vor der Meisterschaft habe ich teilweise bei starkem Regen trainieren müssen und insgeheim auf ähnliche Bedingungen gehofft, da die favorisierten zwei Spanier meiner Einschätzung nach solche Bedingungen noch weniger leiden konnten als ich. Im Finale regnete es zwar nicht, aber 1,6m Gegenwind werden allgemein beim Hürdensprint auch als schlechte Bedingungen bezeichnet. Also sagte ich mir, ich bin ein Kämpfer und ich gehe mit bester Laune in das Rennen. 15,37 Sek. bedeuten nicht nur eine Verbesserung meiner gerade erst aufgestellten Bestleistung um weiter 4 Zehntel, sondern am Ende auch den verdienten Sieg und den Titel EUROPAMEISTER. Der favorisierte Spanier schrieb im Nachgang auf seinem Facebook-Account, dass er mit den Bedingungen nicht zurecht kam. Mein Plan ging auf.

 

Bereits ein paar Tage zuvor habe ich im Speerwurf einen soliden siebten Platz errungen mit einer Bestweite von 52,06m und insgesamt vier Würfen über 50m. Damit kann ich durchaus zufrieden sein. Mehr wäre auch bei Bestleistungen wohl nicht drin gewesen.

Später Saisoneinstieg hat sich gelohnt

18.6.2017:

Der Start in die südwestdeutschen Meisterschaften in St. Wendel war zwar etwas holprig, die Erfolge dafür am Ende umso beeindruckender. Durch eine Zeitplan-Verschiebung, die mir nicht bekannt war, fand praktisch zu Beginn des Tages der Hürdenlauf parallel zum Speerwurf statt. So nahm ich den Titel im Speerwurf mit einem Versuch ohne Aufwärmen und immerhin mit 50,03m mit. Von dort ging ich in schnellem Schritt zum 110m-Hürden-Start. Hier hatte ich zwar Probleme ab der achten Hürde, lief dennoch mit 16,03 Sekunden Deutsche Jahresbestzeit. Den Umständen entsprechend waren beides absolut zufriedenstellende Leistungen.

 

Entspannter ging es dann mit dem 100m-Lauf weiter, den ich in passablen 12,43 Sek. gewann. Im Kugelstoßen erreichte ich mein persönliches Ziel nicht ganz, wurde mit 9,80m Zweiter. Den letzten Titel des Tages holte ich im Diskus, wo ich drei Mal weiter warf als meine bisherige Bestleistung. Am Ende verbesserte ich mich um über zwei Meter auf 33,45m.

 

In zwei Wochen steht dann der Saisonhöhepunkt auf dem Plan: die Deutschen Meisterschaften in Zittau, an der Deutsch-Tschechisch-Polnischen Grenze. Hier werde ich über 110m Hürden den Titelverteidiger „jagen“. Im Speerwurf wird es hoffentlich wieder ein spannendes Duell mit dem Weltmeister geben. Körperlich und mental bin ich gut vorbereitet. Ich hoffe auf eine spannende Meisterschaft.

 

WM-Gold war zum Greifen nahe

Deutscher Doppelsieg in Daegu im Speerwurf – 52,11m bringen Silber

 

25.3.2017:

Wie auch bei den Deutschen Meisterschaften vor wenigen Wochen sah es auf dem Treppchen so aus, dass Jens Kresalek vor mir stand. Mit 53,17m holte er sich bei den Hallen- und Winterwurf-Weltmeisterschaften in Daegu (KOR) die Goldmedaille, knapp einen Meter dahinter gewann ich mit 52,11m Silber. Dabei war mein letzter Versuch der vielleicht beste. Leider landete er außerhalb der erlaubten Zone und war damit ungültig. Dennoch ist diese Silbermedaille mein bislang größter internationaler Erfolg.

 

Über 60m Hürden erreichte ich im Vorlauf die fünftbeste Zeit und qualifizierte mich in 9,02 Sek. sicher für das Finale. Mit vollem Risiko begann ich dann den abschließenden Lauf. Die Rechnung ging zwar nicht auf, aber ich bin mit dem 6. Platz in einem top besetzten Endlauf sehr zufrieden. Die Zeit von 9,34 Sek. spielt eine untergeordnete Rolle.

 

Zum Abschluss wurde ich noch für die 4x200m-Staffel nominiert. Wir hatten gute Chancen, auch hier noch eine Silbermedaille zu gewinnen. Nur Großbritannien war einfach zu stark besetzt. Also hieß es auch hier, bei den Wechseln volles Risiko einzugehen, um die Briten vielleicht noch zu einem Fehler zu zwingen. Dementsprechend knapp waren alle Wechsel zwischen den Läufern. Und das wurde schließlich auch bestraft, denn beim Wechsel zwischen Jochen Gippert, dem 2. Läufer und mir, kam es zu einer Überschreitung der Wechselmarke und der Disqualifikation. Aber das ist es, was den Staffellauf so spannend macht. Für mich war die WM insgesamt eine großartige Erfahrung und ein toller Erfolg. Jetzt beginnt auch schon die Vorbereitung für die Freiluftsaison.

 

Fast wäre das Double geglückt

Titel über 60m Hürden und Silber im Speerwurf bei der Hallen-DM in Erfurt

 

5.3.2017:

Zum dritten Mal in Folge fanden jetzt die Deutschen Hallen- und Winterwurf Meisterschaften in Erfurt statt und zum dritten Mal endeten Sie für mich mit dem Titel über 60m Hürden. Ich wusste, dass eine Zeit unter neun Sekunden für den Titel reichen müsste, was ich angesichts meines intensiven Wintertrainings auch laufen konnte. Das Speerwurf-Finale vom Vortag steckte mir jedoch noch in den Knochen und die Last lag alleine auf mir, da vom Titelverteidiger und Jahresschnellsten wohl jeder erwarten würde, dass ich auch den Deutschen Hallenmeister-Titel „einfahren“ würde. Ich lenkte meine Aufmerksamkeit jedoch auf die Dinge, die ich gut kann und blieb selbstbewusst. In einer absoluten Topzeit von 8,77 Sek. gewann ich dann auch deutlich mein Rennen und die Goldmedaille vor Dr. Björn Wind in 9,23 Sek.

 

Bereits am Vortag fand das Finale im Speerwurf statt, das wegen einem Drittliga-Fußballspiel in ein anderes Stadion außerhalb verlegt werden musste. Ich begann entspannt mit einem Wurf knapp über 46m, der zu dem Zeitpunkt Rang 3 bedeutete. Doch schon mit meinem zweiten Wurf, der bei 49,82m gemessen wurde, kam ich auf den zweiten Platz. Damit hatte ich mein vorher gestecktes Ziel schon erreicht. In meinem vierten Wurf gelang mir dann ein deutlicher Schritt nach vorne: 52,31m zeigten mir, dass ich alle Verletzungen und die Regeneration des vergangenen Jahres gut überstanden hatte. Damit lag ich nur 14 Zentimeter hinter dem Führenden Jens Kresalik. Im 5. Wurf steigerte ich mich sogar noch auf 53,53m – mein Zweitbestes Ergebnis überhaupt – und übernahm zwischenzeitlich sogar die Führung. Jens holte sich mit 53,98m im letzten Wurf dann jedoch den Sieg.

 

Bronze im Hochsprung bei der WM

Viele Bestleistungen in Perth (AUS) und eine überraschende Medaille

 

9.11.2016:

Nach einer von Höhen und Tiefen geprägten langen Saison war die Weltmeisterschaft im australischen Perth noch einmal ein absolutes Highlight. Auf Anraten meiner Ärzte werde ich vermutlich bis auf Weiteres keinen Hochsprung und damit auch keinen Zehnkampf mehr absolvieren. Umso

Erfreulicher sind die Ergebnisse in den beiden Wettkämpfen.

Im Zehnkampf ging es direkt mit Saisonbestleistungen über 100m (12,25 Sek.), im Kugelstoßen (10,18m), Hochsprung (1,76m) und über 400m (58,02 Sek.) los, solide 5,48m im Weitsprung und ein 5. Platz nach Tag eins. 16,64 Sek. über 110m Hürden waren nach dem anstrengenden ersten Tag in Ordnung, ebenso 30,05m im Diskus. Mit dem Stab kam ich schließlich auf 2,90m, was aufgrund meiner erst ausgeheilten Handverletzung einem Wunder gleicht. 47,01m im Speer und 5:33 min über 1.500m brachten keine Veränderungen mehr. Es blieb bei einem guten 5. Platz. Mit 5.865 Punkten schaffte ich damit auch eine Deutsche Jahresbestleistung.

Am folgenden Tag stand das Finale im Speerwurf auf dem Programm. Mit 47,85m wurde ich Sechster, was meinem aktuellen Leistungsniveau entspricht. Nach ein paar Tagen Pause, die ich zum Sightseeing nutze, stand am vorletzten Tag der Meisterschaften das 110m-Hürden-Finale und der Hochsprung auf dem Programm. 36 Grad im Schatten sollten nur den anderen schaden. Mich motivierte die Sonne nur zu weiteren Top-Leistungen. So lief ich erneut mit 16,08 Sek. eine Zeit, die nur knapp über meiner Bestzeit liegt. Das reichte am Ende zu Platz 6.

Meinen letzten Hochsprung-Wettkampf hätte ich mir nicht schöner vorstellen können. Zwei Top-Springer lieferten sich ein Duell um die Goldmedaille. Die Siegerhöhe lag bei 2,02m. Vier Springer kämpften um Bronze. Aufgrund weniger Fehlversuche und übersprungenen 1,75m wurde ich Dritter und gewann für mich völlig überraschend die Bronzemedaille.

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© Markus Paquée